Melina Tränkle von der LG Region Karlsruhe im Interview

In einem Portrait auf Laufreport.de wurde Melina Tränkle vor zwei Jahren als Shootingstar der Karlsruher Laufszene gefeiert. Mittlerweile hat sich die Karriere von Tränkle weiterentwickelt und sie konnte zahlreiche Erfolge auf nationaler Ebene feiern. Diese Entwicklung führte dazu, das die Läuferin der LG Region Karlsruhe Anfang Juli bei der Halbmarathon-Europameisterschaft teilnehmen konnte. Wir freuen uns, dass sich Melina Tränkle für ein Interview Zeit genommen hat.

Der Verlauf deiner Karriere ist doch etwas ungewöhnlich. Auf Laufreport wird beschrieben, dass du beim TSV Weingarten als Turnerin aktiv warst. Eine Freundin hat dich dann im August 2012 zum Lußhardtlauf in Hambrücken eingeladen. Diesen konntest du auch überraschend gewinnen. Was gab letztlich den Ausschlag zum Wechsel in die Leichtathletik?

Ich hatte einfach Lust mal was anderes zu machen und als mein Trainer mich  ansprach gab das den Ausschlag. Ich war jedoch nicht ganz überzeugt ”nur” zu laufen ich dachte, dass das bestimmt eintönig ist. Aber dann bin ich einfach mal ins Probetraining gegangen und seitdem bin ich dabei.

Erzähl uns von deinen Anfängen bei der LG Region Karlsruhe…

Das ging alles schnell, mein erster Wettkampf war der Schlossparklauf,  den ich auch gleich gewinnen konnte. Ich steigerte mich innerhalb von zwei Monaten von einer 38 er Zeit auf eine 36er Zeit auf 10min, das war schon ein tolles Gefühl.Ich war also vom Laufvirus infiziert :-)l Im selben Jahr bin ich auch in den Landeskader gekommen. Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht und die schnelle Leistungssteigerung motivierte mich umso mehr.

Ein Jahr nach dem Sieg beim Volkslauf hattest du bereits dein Debüt im Nationaltrikot. Bei der Cross-EM konntest du einen hervorragenden Platz im Mittelfeld belegen. Wie kannst  du dir diese Steigerung - in einer für dich doch neuen Sportart - erklären?

Ich denke durch das Turnen habe ich ein sehr gutes Körpergefühl, Spannung und eine gute Muskulatur, was sehr von Vorteil war. Ich war schon immer sehr sportlich und laufen fiel mir immer schon leicht. Mit den neuen Trainingsreizen konnte ich somit schnell von meiner sportlichen Vorgeschichte profitieren. Zusammen mit meinem Ehrgeiz, Disziplin und dem Spaß am Laufen wurde ich schnell immer besser. Aber natürlich war auch ich überrascht, dass ich so schnell an die deutsche Spitze laufen konnte.

In einem Interview auf PfoKa lobt Jannik Arbogast, die Arbeit von Trainer Günther Scheefer. Inwieweit konntest du von seinem Training und dem Training mit Athleten wie Jannik Arbogast profitieren?

Ich würde sagen die Arbeit von Günther Scheefer und die Trainingsgruppe sind das A und O für den Erfolg. Es gibt Tage da ist man müde von der Arbeit und man hat eigentlich keine Lust auf Training aber dann wird man von den anderen motiviert und mitgezogen und nach dem Training gehts einem dann besser als vorher. Mein Trainer ist natürlich sehr wichtig, er plant die ganze Saison und macht einen auf den Punkt fit. Er weiß was er mir zumuten kann und was nicht. Manchmal kann er mich besser einschätzen als ich selbst.

Seit Beginn deiner Laufkarriere konntest du dich stetig steigern. Anfang Juli bist du bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam im Halbmarathon an den Start gegangen. Darf man hierbei von deinem sportlichen Höhepunkt reden?

Vorerst ist das auf jeden Fall mein sportlicher Höhepunkt aber man weiß nie was in den nächsten Jahren noch kommt. Ich bin noch jung und kann mich sicherlich noch steigern.

Leider musstest du das Rennen in Amsterdam nach 10 Kilometer beenden. Grund war ein Außenbandriss, den du vor wenigen Wochen erlitten hattest. Was wäre ohne diese Verletzung für dich möglich gewesen?

Das war sehr ärgerlich ohne die Verletzung hätte ich bestimmt eine gute Zeit laufen können. Aber der Kurs in Amsterdam war schwierig vor allem wenn man nicht zu 100 Prozent fit ist. Ich habe einen Start riskiert leider ist es schief gegangen aber das Erlebnis war trotzdem einmalig. Auch wenn ich anfangs sehr enttäuscht war bin ich jetzt noch motiviert weiter an mir zu arbeiten weil ich weiß, dass eigentlich viel mehr möglich gewesen wäre.

Die Erfolge benötigen mit Sicherheit auch ein hohes Trainingspensum. Erzähle uns von deinem Trainingsalltag und was du neben der Leichtathletik machst.

Ich trainiere 7-9 mal in der Woche. Meine Dauerläufe mache ich meist alleine  und die Tempoeinheiten in der Gruppe. Zur Zeit mache ich eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Das ist manchmal schon hart Training und Arbeit mit einer 40 Std Woche unter einen Hut zu bekommen und Freunde möchte man ja auch nicht vernachlässigen. Aber das ist alles machbar und ich brauche die Bewegung als Ausgleich zum Bürojob.

Der aktive Leistungssport fordert mit Sicherheit auch einen strengen Ernährungsplan. Wie sieht deine Ernährung aus? Gibt es ein absolutes No-Go?

Nein für mich gibt es kein No Go, ich ernähre mich zwar gesund aber ich esse alles was mir schmeckt. Auf Schokolade kann ich zum Beispiel nicht verzichten, so kann ich mich nach einem harten Training belohnen.

Du konntest Erfolge in unterschiedlichen Distanzen feiern. Was ist deine Lieblingsdistanz und was erhoffst du dir in der Zukunft?

Eigentlich gibt es keine Lieblingsdistanz. Ich laufe gerne 10km und Halbmarathon aber 5000m machen zwischendurch auch mal Spaß. Ich denke in der Zukunft liegt der Fokus auf den längeren Distanzen das lass ich einfach auf mich zukommen.

Der Laufsport erlebte in der „Breite“ in den vergangenen Jahren einen echten „Boom“. Dennoch ist es für Läufer und Läuferinnen in Deutschland nahezu unmöglich vom Laufsport zu leben. Was denkst du über diese Entwicklung?

Ich finde es toll,dass sich immer mehr Menschen fürs Laufen begeistern und auch meine Leistung und was wir Läufer leisten immer mehr zu schätzen wissen. Es ist aber trotzdem schade, dass kaum Gelder in den Laufsport fließen auch wenn ich und andere nicht aus Geld Gründen laufen, wäre es natürlich toll mehr finanzielle Unterstützung zu bekommen. Der Verein tut sein Bestes sodass Fahrtkosten,Kleidung und Schuhe weitesgehend abgedeckt sind, Trainingslager muss man jedoch aus eigener Tasche bezahlen, im Fußball wäre das undenkbar.

Die Erfolge von Melina Tränkle in der Übersicht:

2016
3. Platz Deutsche Meisterschaft Halbmarathon Frauen
5. Platz Deutsche Meisterschaft Halbmarathon Mannschaft Frauen (Tränkle–Pfeifer–Schweizer)
8. Platz Deutsche Meisterschaft 5000m Frauen
Baden-Württembergische Meisterin 3.000m Frauen

2015
2. Platz Deutsche Meisterschaft 10.000m Frauen
5. Platz Deutsche Meisterschaft 10km Straße Mannschaft Frauen (Tränkle–Raatz–Knirsch)
7. Platz Deutsche Meisterschaft 5000m Frauen
8. Platz Deutsche Meisterschaft 10km Straße Frauen
2. Platz Baden-Württembergische Meisterschaft 3x800m Frauen (Knirsch-Tränkle-Hettich)

2014
2. Platz Deutsche Meisterschaft 10.000m W U23
2. Platz Deutsche Meisterschaft 10km Straße W U23
2. Platz Deutsche Meisterschaft Halbmarathon W U23
2. Platz Deutsche Meisterschaft Cross W U23
7. Platz Deutsche Meisterschaft 10 km Straße Mannschaft Frauen (Tränkle–Knirsch–Hettich)

2013
5. Platz Cross EM Mannschaft W U23
2. Platz Deutsche Meisterschaft 10km Straße W U23
4. Platz Deutsche Meisterschaft Cross W U23
7. Platz Deutsche Meisterschaft 5000m W U23
Baden-Württembergische Meisterin 10km Straße W U23
Baden-Württembergische Meisterin Cross Frauen
3. Platz Baden-WÜrttembergische Meisterschaft Cross Mannschaft Frauen (Tränkle–Hettich–Gempper)