Interview mit Jannik Arbogast von der LG Region Karlsruhe

Mit Jannik Arbogast von der LG Region Karlsruhe, konnten wir einen Interviewpartner gewinnen, welcher auf sämtlichen Laufdistanzen schon beachtliche Erfolge erreichen konnte. Obwohl sich Jannik Arbogast auf den 5.000m am wohlsten fühlt, konnte er in diesem Jahr über die 10.000m den zweiten Platz bei der deutschen Meisterschaft belegen und gewann den Halbmarathon in Karlsruhe.  

 

Weshalb hast du dich für das Laufen entschieden?

Die Entscheidung habe ich in der C/B-Jugend getroffen. Der Mannschaftssport hat mir total viel Spaß gemacht, aber ich wollte für meine Leistung „alleine“ verantwortlich sein. 

Wenn ich schlecht laufe, dann liegt es an mir und wenn ich gut laufe ebenfalls. Was nicht bedeutet, dass wir in der Leichtathletik Individualsportler sind. Ohne unsere Gruppe wäre ich definitiv nicht zu solchen Leistungen gekommen.   

 

Was konntest du aus deiner Zeit in Pforzheim für dich mitnehmen?

Als ich in den Landeskader gekommen bin wurde ich zu Wolfgang Hohl aus Pforzheim zugeteilt. Ihm verdanke ich, dass ich heute noch diese tolle Sportart betreibe. Er hat mir das systematische Training, (Wintertraining, Sommertraining, Krafttraining, Wettkampfvorbereitung) beigebracht. Vor dieser Zeit kannte ich nur die maximalen Läufe. ;) 

Er erklärte mir: Warum ich Dauerläufe machen muss; Warum die Tempoläufe im Winter anders als im Sommer sind; Warum zum laufen viel mehr dazugehört als nur die Laufschuhe zu schnüren. In Trainingslager brachte er uns einen professionellen Alltag bei. Von seinem Sohn Stefan Hohl, damals noch aktiver Sportler und ein sensationeller Läufer, mussten wir nur abschauen….

Auch wenn die Anreise für mich sehr anstrengend war >2h Anfahrt und >2h Rückfahrt, war es für mich eine wertvolle Zeit. 

 

Was waren die Beweggründe für deinen Wechsel nach Karlsruhe?

Während meiner Verletzung lohnte sich der Weg nach Pforzheim nicht mehr. Ich trainiere viel im Wasser und auf dem Rad. Wolfgang Hohl arbeitete sehr viel und sah uns ab und zu nur sehr selten. Während der Zeit im technischen Gymnasium hatte ich weniger Zeit zur Verfügung und die Anreise nach Karlsruhe war eine deutliche Erleichterung. Meinen jetzigen Trainer, Günther Scheefer, lernte ich kennen und er half mir die Verletzung zu heilen. 

Das Training bei Günther hatte einen höheren koordinativen und athletischeren Ansatz, der bei Wolfgang Hohl aufgrund der Zeitprobleme oft fehlte. Mit der neuen Trainingsform kam ich sehr gut zurecht und ich spürte, dass ich weniger Verletzungsanfälliger war. Nachdem ich dann ausschließlich ein Jahr in Karlsruhe trainierte, wechselte ich „offiziell" den Trainer und vom Heimatverein TSV Neudorf zur LG Region Karlsruhe. Die Trainingsbedienungen in Karlsruhe waren zentraler und vor allem im Winter mit der Europahalle deutlich besser. 

 

Doch welche Distanz läufst du am liebsten?

Meine absolute Lieblingsstrecke sind die 5.000m. Die 12 1/2 Runden vergehen wie im Flug und ich es ist eine geniale Mischung aus einem flotten Tempo und der Langstrecke. Die 3000m sind ebenfalls eine meiner Lieblingsstrecke, jedoch laufe ich diese nur selten. Über 10.000m habe ich noch nicht die nötigen Kilometer und Wettkampfhärte, um lange und konstant ein hohes Niveau laufen zu können. 

 

Erzähl den Lesern ein wenig aus deinem Trainingsalltag…

In Deutschland ist es nur wenigen Sportlern vorbehalten, unter profihaften Bedienungen zu trainieren. So gehe ich neben dem Sport studieren. Ich studiere Lehramt am KIT Karlsruhe die Fächer Geographie und Sport. Die Uni beginnt jeden Tag zwischen 8:00 Uhr oder 9:45 Uhr. Meistens besuche ich zwischen 2-4 Kurse á 90 min. In der Woche trainiere ich zwischen 8 und 10 Mal. Wenn ich eine Doppelbelastung habe, dann trainiere ich in der Mittagspause oder vor der Uni. Die Einheit am Abend beginnt in der Regel um 18 Uhr und endet um 20:30 Uhr. Bis ich dann daheim bin ist es kurz vor 22 Uhr.  Einmal die Woche, besonders nach harten Belastungen, versuche ich in die Sauna zu gehen. Die Regenration verkürzt sich dadurch gewaltig. Leider habe ich als Student nicht die finanziellen Ressourcen um wöchentlich zu saunieren. Leider gibt es auch seitens der Bäder in Karlsruhe keine Sponsorenmöglichkeit. Einmal die Woche gehe ich arbeiten auf einem Pferdehof. Dort erledige ich alle anfallenden Aufgaben (Misten, Mähen, Reparieren, Streichen, …) und kann dort super zwischendurch trainieren. Leider kann ich nicht nur studieren und sporteln, dafür gibt es zu wenig Förderung in Deutschland. 

Oft bleibt sehr wenig Zeit für die Regeneration, aber in Deutschland wird nicht besonders viel für den Leistungssport getan, außer man hat die Ambition Olympiasieger zu werden. Da bin ich froh, dass es regionale Firmen gibt, die Sportler gerne unterstützen und ihnen so eine Möglichkeit geben, den Trainingsalltag so professionell wie möglich zu gestalten. 

 

 

Woher holst du dir deine Motivation?

Ich will meine eigenen Grenzen kennen lernen, wie weit komme ich an Top Zeiten heran.  Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man ein Training absolviert hat. Auch während dem Training muss ich mich selten motivieren. Da hilft unsere Gruppe enorm! Oft fragt man sich natürlich, warum die anderen Studenten gemütlich Mittagessen gehen und ich schnell 12km durch den Wald renne, aber das gehört einfach zu mir dazu. Vielleicht ist ein internationaler Einsatz in der Männerklasse doch noch einmal möglich…

 

Wie sehr achtest du darauf und was ist ein absolutes „No-Go“?

Bisher schaffe ich es noch nicht, jeden Tag sich optimal zu ernähren. Man muss sich immer selbst fragen, ob es einem gut geht, wie man gerade isst. Wenn man dadurch keine großen Probleme erfährt, finde ich es in Ordnung. Ich überlege mir nicht, ob ich jetzt 100 Gramm nudeln zu viel gegessen habe. Da höre ich eher auf meinen Körper und wenn ich Lust auf ein spezielles Gericht habe, dann esse ich es auch. Hier ist bei mir aber auch definitiv noch einiges Potenzial, dass ich versuchen werde in den nächsten Jahren Stück für Stück zu verbessern. 

 

Einige Leichtathleten beklagen, dass der Stellenwert der Leichtathletik in Deutschland nicht hoch genug ist. Wie stehst du zu dieser Aussage?

Leider ist die Leichtathletik, eigentlich die Kernsportart der olympischen Spiele, nur eine Randsportart. Würde man auf der Straße Passanten nach einem deutschen Leichtathleten Fragen, so würde die meisten keinen oder wenn Robert Harting nennen. Das führt auch immer zu dem Problem, dass Sponsoren lieber in die 6te oder 7te Liga investieren als einen Top Leichtathleten zu unterstützen. Die aktuelle Dopingproblematik steigert gerade nicht den Stellenwert der Leichtathletik, jedoch ist es sehr wichtig gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. In Deutschland und in vielen anderen Ländern funktionieren die Dopingkontrollen sehr gut, leider gibt es auch viele Ländern, in denen es eher suboptimal läuft. Das lässt immer ein wenig Unzufriedenheit aufkommen...

Wie man das Problem beheben könnte, fängt z.B. beim Verband an. Um mehr Öffentlichkeit zu bekommen, ist es wichtig Deutsche Athleten zu internationale Meisterschaften zu schicken. „Leider" hat der DLV sehr hohe Ansprüche (Top 8 der Welt sollte erreicht werden oder erweitere Finalchance), die wir nur schwer erreicht werden können. Hier werden die Normen an der Weltspitze festgelegt, somit auch an den Dopingsünder… 

 

Was sind deine Ziele für die kommenden Jahre?

Ein Traum ist ein internationaler Einsatz in der Männerklasse. Über 5.000m bin ich mit 13:52min noch 16 Sekunden (13:36min) von der Norm entfernt. Diese Differenz möchte ich in den nächsten Jahren minimieren. Wohin und wie lange die „Reise“ noch geht, hängt natürlich auch von vielen anderen Faktoren ab. Ich möchte aber noch sehr lange auf hohem Niveau laufen und jedes Jahr „einen Schritt“ schneller Rennen. Wofür es am Ende reicht, lasse ich mich einfach überraschen…