Intensität entscheidet - BG muss sich Jena mit 85:89 beugen

Karlsruhe. (ver) - Wenn Merchandising im deutschen Basketball eine stärkere Rolle spielen würde, wäre wahrscheinlich an der Farbverteilung der Trikots im Publikum einiges über diese Spielzeit der BG abzulesen. Weiße Heimtrikots stünden für eine inzwischen recht saubere Weste, während die schwarzen Auswärtstrikots bei der Bilanz in der Fremde kein Verkaufsschlager wären. Nach vier Siegen in Folge musste die BG in Jena eine knappe und vermeidbare 89:85-Niederlage hinnehmen.

Die erfreuliche Ausgangssituation, die sich die BG in den Spielen zuvor erarbeitet hatte, wurde vor allen Dingen durch die physische und intensive Spielweise der Gastgeber nachhaltig beeinträchtigt. Am härtesten bekam das Justin Howard zu spüren, dem man zu keinem Zeitpunkt leichte Punkte ermöglichte. Dass er sieben
seiner 11 Punkte von der Freiwurflinie markierte, dabei am Brett fünf Versuche verlegte, sagt einiges aus. Howard, der mit seinen phantastischen Leistungen in den
Vorwochen einen tollen Beitrag zum zwischenzeitlichen Höhenflug der BG geleistet hatte, konnte an diesem Abend nicht wie gewohnt in Szene gesetzt werden. Dabei
zeigte sich auch, dass er für die BG derzeit ohne Alternative ist. Dass er sich kurz vor Ende der Partie in der Crunch-Time mit einem technischen Foul aus der Begegnung verabschieden musste, gab dieser Niederlage einen tragischen Anstrich.

„Man kann diese Niederlage nicht an einzelnen Spielern festmachen“, merkte Torsten Daume nach dem Spiel an. „Uns fehlt einfach auswärts die Sicherheit, um
solche Spiele zu entscheiden. Nach vier Siegen wollten wir auch hier gewinnen, haben dabei unter Druck ein wenig verkrampft und uns von der heiß laufenden Jena-
Mannschaft, die nach drei Niederlagen dem eigenen Publikum etwas bieten wollte, beeindrucken lassen. Und dann passieren Dinge, die man so nicht unbedingt immer
hat ... .“

Wohl wahr: Dass ausgerechnet Johannes Voigtmann seinen ersten Dreier dieser Spielzeit mit großer Wirkung zu Beginn des letzten Viertels zum 67:67-Ausgleich
wirft, die BG in der entscheidenden Phase durch ein Offensivfoul und unglückliches Reboundverhalten einen 5:0-Lauf zum zwischenzeitlichen 82:75 zulässt, sind
Vorkommnisse, die man nicht häufig erlebt. Die 795 Zuschauer in Jena durften sich darüber hinaus über eine Topleistung von Kenny Barker freuen, während auf Seiten
der Gäste aus Baden trotz zum Teil starker individueller Leistung halt auch individuelle Fehler den Sieg kosteten. Manchmal ist die Basketballarithmetik einfach:
Sieben Turnover mehr, bei vier Ballgewinnen weniger bescherten den Gastgebern deutlich mehr Versuche, während die Wurfquoten der Teams nicht sonderlich
differierten.

Co-Trainer Mario Dugandzic haderte nach dem Spiel mit den Unkonzentriertheiten im Spiel: „Wir waren manchmal zu leichtsinnig mit unseren Offensivaktionen und
haben dann die Mitte nicht zugemacht, was uns in der Defensive dann nicht gut aussehen ließ.“ Torsten Daume versuchte dies - ein Viertel lang auch durchaus erfolgreich- mit einer entsprechenden Kabinenansprache in der Halbzeit zu korrigieren. „Mit 47 Punkten zur Halbzeit kannst Du normalerweise die meisten Spiele für Dich entscheiden. Wenn Du aber 52 kassierst, hast Du ein Problem. Wir wollen Erfolg planbar machen, und das beginnt in dieser Sportart nun einmal in der Defensive.“ Die Mannschaft muss zugehört haben, denn im dritten Viertel ließ man nur noch 12 Punkte der Hightowers zu. Im zweiten Viertel waren es noch unsägliche 28 gewesen. Nach
einem Korbleger zum 57:50 von Roquette wollte der Heimmannschaft gar nichts mehr gelingen, die BG konnte sich mit einem 10:0-Lauf einen 57:60-Vorsprung
erarbeiten, der erst von Jeremy Black von der Freiwurflinie beendet wurde. Die Schlussphase des dritten Viertels nutzte vor allen Dingen Domonic Jones auf Seiten
der BG zum punkten und konnte dabei eine 64:67-Führung erzielen. Wie gesagt: Im letzten Viertel gingen die Uhren anders. Voigtmann traf seinen Dreier, startete damit einen 9:0-Lauf, der das Spiel zugunsten der Science City kippen ließ. Als die BG sich kurzzeitig wieder in Schlagweite positionieren konnte, waren es misslungene Offensivaktionen, Ballgewinne und Nervenstärke in der Offensive der Hausherren, die das Spiel entschieden. Als Kenny Barker mit zwei erfolgreichen Freiwürfen den Endstand markierte, waren beide Serien gerissen.

Karlsruhe verliert nach vier Siegen, Jena kann sich nach drei Niederlagen wieder konsolidieren, und Torsten Daume mahnte mit Hinblick auf das nächste
Auswärtsspiel in Nürnberg einen ordentlichen Umgang mit diesem Rückschlag an. „Wir müssen uns wieder fokussieren und dürfen nicht die gute Entwicklung über Bord
werfen, indem wir jetzt in Trübsal oder Selbstzerfleischung verfallen. Nürnberg wird nicht einfacher, und auch dieser Herausforderung müssen wir uns stellen.“

Punkte BG Karlsruhe: Samarco 21/3, Roessler 18/1 Moore 14/1, Jones 13/1,
Howard 11, Stockton 8
Punkte Science City Jena: Barker 19/1, Black 16, Kepkay 16/1, Voigtmann 11/1,
Roquette 9, Schwartz 5/1, Reyes-Napoles 2, Adams 1

Mit freundlicher Genehmigung von der BG Karlsruhe.