All You Can Row 2014 - vom Karlsruher Rheinhafen bis zum „Geht nicht mehr“

Karlsruhe. (ver) - All You Can Row - eine breitensportliche, 16-stündige Langstrecken Rudertour, veranstaltet und organisiert vom Karlsruher Rheinklub Alemannia. 5:22 Uhr, Start bei Sonnenaufgang vom Bootssteg des Rheinklubs nach kurzer Ansprache des Vorstandes.

All You Can Row 2014 war die dritte außergewöhnliche Veranstaltung dieser Art und erstmals nahmen auch 17 Sportlerinnen und Sportler anderer Vereine teil. Sie waren bereits am Vortag angereist – unter ihnen Christoph Ehrle vom Nordrhein-Westfälischen Ruder-Verband und Werner Rudolph, Landesruderverband Baden-Württemberg. Übernachtet wurde im Vereinshaus des Rheinklubs, sodass gleich nach einem kräftigen Frühstück,ausgeschlafen und gestärkt das Tagwerk in Angriff genommen werden konnte. Das heißt, die Teams sollten nicht gegeneinander rudern, sondern miteinander kämpfen, getragen von sportlicher Solidarität – Rudern bis zum Geht nicht mehr! 7 gesteuerte Gig-Doppelvierer und ein Gig-Dreier, 38 Rudrerinnen und Ruderer skullten vom Karlsruher Hafen aus auf den großen Strom hinaus. Einige wollten bis zur Loreley und noch weiter, andere wiederum „nur“ bis Worms.

Gleich nach der Karlsruher Rheinbrücke zeigte der Pegel Maxau 4,45 m. Kein günstiger Wasserstand für eine längere Rheintour mit weiten Zielen, denn das Tempo war aufgrund der geringen Strömung sehr langsam. Dafür gab es bei Mannheim-Ludwigshafen keine Stau- und Kreuzwellen, welche die schmalen Gigboote schnell zum Absaufen bringen könnten. Wenig Frachtschiffverkehr, sichtbare Buhnen und eine meist freie Fahrrinne machten eine sichere Fahrt möglich - selbst die Sorge vor Sonnenbrand war unnötig.

Unterwegs gab es zahlreiche Rast- und Anlegemöglichkeiten. Sie konnten individuell nach Bedürfnis genutzt werden - die Teilnehmer sollten vorsorglich nicht im Pulk rudern. Ambitionierte Langstreckenruderer nutzten den Steuerwechsel während der Fahrt auch gleich für eine Essenspause. Aber irgendwann brauchte jedes Boot etwas Ruhe vom Wellengeschaukel. So ließ sich ein gemischtes Team nach fast 200-jähriger Tradition des Nordschwarzwälder Holländer-Michls einfach kilometerweit mit dem Strom dahintreiben.„Es ist ein Zeichen besonderer Stärke seine Grenzen zu erkennen…“ sagte sich eine noch sehr frisch wirkende Mannschaft und beendete ihre Tour nach 114 km an der schönen Naturschutz-Insel Kühkopf beim Ruder-Club Neptun Darmstadt.

Bei Rheinkilometer 503,3 war bei den meisten Ruderinnen und Ruderern „der Dampf raus“ und nach
146 km Skullen legten sie bei der Mainzer Rudergesellschaft an und riggerten erleichtert die Boote ab. Zwei Doppelvierer+ hatten noch nicht genug. Nach kurzer Pause legten die Mannschaften wieder tapfer zur Weiterfahrt nach Bingen ab und hatten 172 Rhein-km gerudert – am Mäuseturm vorbei skullte auf dem trägen Strom an diesem langen Tag jedoch keine Mannschaft.

Wolfdietrich Jacobs, Koordinator und Ruderwart beim Rheinklub, war mit einem engagierten Helferteam für die gelungene All You Can Row Veranstaltung verantwortlich. Als Hardcore-Statistiker meldete er, dass insgesamt 1170 Boots- und 5506 Mannschafts-km zurückgelegt und 5 Alemannen ganz nebenbei ihr DRV Fahrtenabzeichen errudert hatten.

Werner Rudolf war schwer beeindruckt: „Letztlich haben wir das Ziel Mainz rechtschaffen müde mit gewissen Verschleißerscheinungen des Allerwertesten erreicht. Es war die längste Tages-Ruderstrecke meines über 50-jährigen Ruderlebens. 146 Kilometer, ein Triathlon mit den Disziplinen Rudern, Rudern und Rudern!“  Seinem Ausruf, gleich nach der Zielankunft mit krampfhaft-schmerzlichen Stöhn- und Streckbewegungen, „aaaach, was war´s doch heut wieder soooo schöööön beim Rudern“  stimmten alle All You Can RowSportlerinnen und Sportler süßsauer lächelnd zu.

Dietmar Kup

Bilder:  Dietmar Kup